und schon wieder ein Wortbruch!
Zum wiederholten Male habe ich diesen Beitrag angekündigt, zum wiederholten Male habe ich ihn hinausgeschoben. Zuletzt für noch im Verlauf der letzten Woche angekündigt, versprochen – und wieder hinausgeschoben.Aber:
wie gesagt: der Hypnotiseur wacht schon morgens als Hypnotiseur auf. Beginnt den Tag als Hypnotiseur, lebt als Hypnotiseur............. auf Reisen, in der Kneipe, zu hause, im Park, überall!
- -und wird dabei oft einfach vom Thema eingeholt -
Gestern morgen traf ich beim Frühstück in einer kleinen Kaffeebar am Potsdamer Platz in Berlin einen Automechaniker. „Von Hypnose halte ich überhaupt nichts, erstens ist das alles Humbug, außerdem geht das bei mir sowieso nicht.......“
Der hat ein Problem, dachte ich und antwortete, ohne mich um seine herausfordernden Blicke zu kümmern: „ok, Du bist nicht in der Stimmung, vielleicht bist Du überhaupt nicht geeignet, jemals Hypnose zu erleben................ obwohl ich es Dir gerne mal unverbindlich zeigen würde......... “
Und schon kam die von mir erwartete Anfrage:
„Kannst Du meine Nachbarin hypnotisieren?“
Das kann ich natürlich nicht, wenn sie überhaupt nicht da ist, aber hier scheint der Mensch sein Problem zu haben..
Also frage ich: „was ist mit ihr?“
„Die hat etwas gegen mich! Sie sagt nichts, aber sie schaut immer so seltsam. Wenn ich ihr auf der Treppe begegne. Sie denkt ganz bestimmt, dass ich ein unmöglicher Mensch bin (das habe ich in vornehme Umgangssprache übersetzt) kannst Du die hypnotisieren?“
Ich weiß nur, dass er sich von der Nachbarin falsch wahrgenommen fühlt. Ich weiß nicht, ob er sie hasst oder heimlich liebt. Ich weiß von der Nachbarin nur, dass sie existiert. Sonst nichts.
Und sage: „Ich kann Dir zeigen, wie Du sie hypnotisieren kannst!“
Ich habe aus einem bekannten (?) „Anmache-Guide“ für Profi-Verführer oder solche, die es gerne werden möchten, die Technik „Freund – Vernichter“ gelernt. Eine Gesprächstechnik, welche der Möchtegern-Abschlepper gegen das Argument seines Opfers „Aber ich hab doch einen Freund!“ einsetzen soll. Ich glaube, dass hier das Werkzeug Hypnose (oder meinetwegen NLP) gründlich missbraucht wird.
Ich setze heute und hier die Technik „Freund – Vernichter“ ganz bewusst als „Feind -Versöhner“ ein:
Klient (A) hat große Schwierigkeiten mit einem anderen Menschen – in diesem Falle mit der Nachbarin (N). Coach (B) entschärft mit der folgenden Technik die Schwierigkeit, sorgt für eine gesunde Distanz aus welcher sich die Interaktion zwischen A und N verändern kann. Auf die Richtung dieser Veränderung hat B nur wenig Einfluss.
B: Hast Du Lust, ein kleines Gedankenexperiment zu machen? Wie wäre es, wenn Du Dir vorstellen könntest, die störenden Eigenschaften bei der Nachbarin einfach hinter den Mond zu schießen? Das könnte ganz praktisch sein, also, es könnte Dir helfen, dass Dir diese Eigenschaften einfach nichts mehr ausmachen....
(Und nachdem B sein Einverständnis gegeben hat):
B: ok, stell Dir jetzt mal vor, was Dich am meisten an ihr stört....nee, nicht erzählen, nur vorstellen. OK? (und wenn A nickt oder sonst wie bestätigt):
B: gut, dann stell Dir jetzt mal irgendetwas vor, was nur aus dieser Eigenschaft besteht, wie das wohl aussieht.....
(Und jetzt immer, wenn A bestätigt, dass er eine Vorstellung hat):
B: und stell Dir vor, wie diese Eigenschaft sich anhört, wenn sie sich akustisch äußert......
B: und wie sich diese Eigenschaft anfühlen würde.......
B: und wie sie riecht.......
B: und wie sie schmeckt, wenn Du sie knutschen würdest.........
A: nee, bloß das nicht!
B: macht nix! Jetzt noch mal: wie sieht das aus........ wie hört sich das an....... wie fühlt sich das an...... wie riecht das...... wie schmeckt das......... ok, stell' dir vor, schließe die Augen und stell' Dir vor, wie du das zusammenknüllst...... wie Du das auf Schneeballgröße zusammenknüllst........... stell' es Dir vor, dass Du das kannst....... und nicke mit dem Kopf, wenn Du das zusammengeknüllt hast......
A: nickt
B: Gut, nun nimm ein riesiges Katapult, so eine Superzwille, packe diese Kugel hinein.
A: Geht nicht, die Augen gucken mich so an aus der Kugel!
B: Macht nix, dreh sie rum!
A: ok!
B: Spanne die Zwille jetzt sooooo fest an, wie Du kannst! Dann ZÄHLE BIS DREI! Und bei drei lass los!
A: Halt! Ich hab noch ein Gummi zusätzlich draufgezogen....
B: Ok, EINS! ZWEI! DREI! JETZT!
A: (grinst) Schade, dass Du diesen Heulton nicht hören konntest, mit dem sie bis hinter den Horizont geflogen ist.......
B: los! Noch mal - mach es mal alleine!
A: (schließt die Augen, macht Gesten, als ob er eine Zwille spannt, macht Bewegungen, als ob er zählt, grinst, lässt die Arme sinken, öffnet die Augen) „Jetzt war sie sooo schnell weg, ich weiß gar nicht wohin!“
B: NOCHMAL!!!!
A: Gerne! Immer wieder!
B anschließend: Setz' Dich mal auf den anderen Stuhl dort. Ok, Wenn Du jetzt daran denkst, wie Du der Nachbarin wider begegnest.........
A unterbricht: Das finde ich jetzt irgendwie lustig! Ich habe mir gerade vorgestellt: Wenn die wüsste, was ich mit ihr gemacht habe!
B: gibt es irgendwelche Bedenken, wenn Du jetzt an sie denkst?
A: Nee! Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht laut lache, wenn ich sie sehe.......
B: Besser als Magengeschwüre. Oder?
A: Stimmt!
Heute Abend rief mich mein Freund kurz an: Kann das sein, dass Du mich doch hypnotisiert hast?
Ich: wieso?
Gestern Nachmittag bin ich der Nachbarin wieder begegnet. Ich musste einfach grinsen. Es ging nicht anders. Sie hat ziemlich irritiert drein geschaut. Ich glaube, sie hat an sich herunter geschaut, ob irgend etwas nicht stimmt. Gestern Abend das gleiche. Sie hat zurück gegrinst. Heute bin ich ihr auch schon zwei mal begegnet. Irgendwie sind wir ans Quasseln gekommen. Eigentlich ist sie ganz nett..............
Hypnose?