Mittwoch, 2. November 2011

My Friend John

Besonders einprägsam und gut sollen die "My Friend John"-Geschichten sein.
"My Friend John" ist jemand, den ich meine Geschichte erzählen lasse, den ich erzählen lasse, was mir passiert ist. Oder jemand beliebig anderem. Und ich erzähle John's Geschichte. Also eine Geschichte in der Geschichte. Eine Geschichte in der Geschichte, die ich über meinen Freund "John" schreibe. Wenn das ein wenig irritiert oder gar verwirrt, so ist dies durchaus beabsichtigt. Es ist auch unklar, ob dieser Freund John nicht einen ganz anderen Namen hat.

Manchmal treffe ich ihn in einem Münchener Café. Oder auch in Frankfurt/Main (oder Oder!). Ganz plötzlich sitzt er mir gegenüber.
"Stell Dir vor, was mir neulich passiert ist:
Ich hypnotisiere einen gepflegten, älteren Herrn, circa Mitte siebzig. Er raucht seit einigen Jahren wieder. Er hat sich das Rauchen schon mal vor mehr als dreißig Jahren abgewöhnt. Mit Hypnose. Er erzählt ein wenig über diese Hypnose. Damals scheint er sich gut darauf eingelassen zu haben. Ach so, er will mit meiner Hilfe das Rauchen ein zweites mal los werden. Er findet es "bescheuert!"

Und jetzt fangen wir einfach an. Die Einleitung funktioniert problemlos. Innerhalb von Sekunden. Die Vertiefung: Zählen von eins bis fünf. Ich betone beim Zählen die Ausatmung von Herrn M., passe mich seiner Atemfrequenz an. Und er passt auch seine Atemfrequenz meinem Zähl-Singsang an. 
Ich teste, indem ich seine rechte Hand anhebe. Sie fühlt sich sehr schlaff an. Ich erzähle, dass sich der Hypnosezustand vervielfachen wird, mindestens fünf mal so tief, wenn ich die Hand loslasse und sie "Platsch" auf die Unterlage zurückfallen wird. Ich lasse los, die Hand fällt leicht verzögert zurück. So, als ob sie zunächst in der Luft stehen bleiben wolle. Ich nutze diese Beobachtung aus, nehme die Hand wieder, halte sie und hebe den Arm ein Stück nach oben. "Manchmal bleibt der Arm einfach so in der Luft stehen, dort, wo ich ihn hin führe......" tatsächlich, der Arm bleibt genau so stehen, als ich meine Hand wegnehme. Jetzt zeige ich Herrn M., wie er sich noch mehr entspannt, während sein schwebender Arm in die Ausgangsstellung zurück sinkt. 
Zur nochmaligen Vertiefung - und vielleicht auch schon zur Nutzung der Trance - lenke ich seine Aufmerksamkeit auf die Sinne: Sehen, Hören, Fühlen, Riechen, Schmecken. Dabei betone ich immer wieder, wie sich all dies schon verbessert hat durch den Entschluss, das Rauchen zu beenden. 
Jetzt bitte ich das Unterbewusstsein von Herrn M, mir Fingerzeichen zu geben. Seine Finger bewegen sich zur Bestätigung auf eigentümliche Weise, "ruckelnd", wie es kaum jemand bewusst hinbekommt. 
Ich bitte das Unterbewusstsein von Herrn M., ihn zu einem Datum in der Zukunft zu führen, in einigen Wochen, Monaten oder Jahren, ihm zu zeigen, um wieviel sich das Sehen, das Hören, das Fühlen, das Riechen und das Schmecken gebessert hat, um wie viel sich die Lebensqualität gebessert hat. Ich bitte sein Unterbewusstsein, ihm zu zeigen, wie einfach es war, sich das Rauchen abzugewöhnen, wie einfach es war, den Versuchungen und Hindernissen dabei zu widerstehen. 
Jetzt zeigt Herr M. einen merkwürdigen Gesichtsausdruck: "gequält" fällt mir dazu ein. Seine Finger bewegen sich immer schneller, als wollten sie etwas mitteilen. 

Plötzlich schlägt Herr M. die Augen auf, richtet sich auf, lächelt und spricht: "Mir geht es richtig gut! Mir geht es sooooo was von gut! Ich fühle mich, als hätte ich noch nie geraucht! Es ist weg! Aber: warum sollte ich denn zu einem Datum in der Zukunft gehen? Was hat das zu bedeuten?"


Ich antworte: "Das mit dem Datum soll Ihnen helfen, Ihren Erfolg zu sichern!"  "Ach so!" stellt Herr M. fest, schaut mich freundlich an. "Lassen Sie Sich von Ihrem Unterbewusstsein zu einem schönen Ort bringen, zu einem Ort, der Ihnen gefällt, wo Sie tun und lassen können, was Ihnen gefällt.............." schlage ich vor. Herr M. macht es sich bequem, schließt die Augen, geht wieder in Trance. 
Ich beende dann nach einer Weile die Hypnose mit mehrmaligen Rücknahmesuggestionen, nachdem ich vorher noch einige male betont habe, dass es nun wirklich so sei, als ob er schon immer Nichtraucher gewesen wäre. 
Und Herr M. betont im Nachgespräch das gleiche. 

"Und, ist er denn jetzt ein Nichtraucher?" frage ich meinen Freund John
"Hmm, er hat es jedenfalls behauptet. Er war richtig euphorisch, als er ging, hat betont, dass er schon jetzt viel besser Luft bekommt beim Atmen, Ich hoffe nur, dass diese imaginierte Erinnerung an die Leichtigkeit, mit Hindernissen und Rückfallgefahr umzugehen, ihm nützt!"
"Das sollte sie, denn er hat sich bewusst nach der Bedeutung erkundigt, hat sich aber auch ohne weiteres darauf eingelassen. War das eigentlich sehr irritierend für Dich, dass Herr M. scheinbar plötzlich aus der Hypnose ja, sozusagen aufgetaucht ist?"
"Ja, es hat mich schon ein wenig irritiert. Passiert Dir das auch gelegentlich?"

"Vor vielen Jahren, bei meiner ersten therapeutischen Hypnose, habe ich etwas vergleichbares erlebt: ich hatte dem Klienten zur Hypnoseeinleitung ein Farbtäfelchen vor die Augen gehalten, ihn aufgefordert, dieses anzusehen, hatte "prophezeit", dass die Farben gleich begännen, zu verschwimmen. Der Klient hatte sich aufgerichtet, mich angesehen, und gesagt: "Ja, das stimmt!". Dann hatte er sich wieder hingelegt, die Augen geschlossen und war in Trance gegangen. Die weitere Sitzung verlief sehr erfreulich. Und: irgendwie war dieser Klient auch in der Lage, den anfänglichen Erfolg selbständig, sozusagen "autogen" zu konsolidieren. Er erzählte mir später, wie er gelegentlich sich hinzulegen pflegte, sich vorstellte, was ich wohl wie sagen würde, und das habe ihm immer weiter geholfen."


"Bei Herrn M. bin ich auch überzeugt, dass er es schafft mit dem Rauchen aufgeben. Ich weiss nicht, wie das kommt, ich habe ihn bei seinem Eintritt schon als Nichtraucher wahrgenommen. Er hat sich dann auch die ganze Zeit als Nichtraucher gesehen........."

"John, Du hast mir etwas erzählt, was mir merkwürdig bekannt vorkommt. Manchmal frage ich mich, wer Du wirklich bist!"
"Schau ganz konzentriert in Deinen Kaffeelöffel...... "
Als ich wieder aufschaue, ist John verschwunden. Die Kaffeerechnung hat er mir überlassen.....







Dienstag, 11. Oktober 2011

Hamburger Kneipenhypnose

Ich habe in Hamburg am Vorabend einen Themenabend „Blitzhypnose“ bestritten und heute, am Samstag, einen Tagesworkshop „Sicher hypnotisieren“ zu Ende gebracht. 
Es war gut, ich habe einige sehr interessante Leute kennen gelernt, vielleicht auch einige Newcomer für Hypnose interessieren können.
Morgen fahre ich wieder nach Hause.

Jetzt habe ich meine Sachen zum Hotel gebracht. Es liegt weit im Norden von Hamburg. Zentral war keine Unterkunft mehr zu bekommen. Nur im Hostel ein Platz im Acht-Betten-“Dorm“ für EUR 50,-- Hier habe ich für etwas weniger ein recht nettes Zimmer plus Frühstück. Warum die Hamburger Hotels so überbucht und überteuert sind, kann ich nicht erfahren.
Neben dem Hotel ist ein Kiosk, eine kleine Raucherkneipe, mit zugepflastertem Vorgarten. Dort sitze ich bei einem Bier. Auf dem Weg habe ich einen entsetzlich häßlichen „Bullenbeißer“ und seine Besitzerin kennen gelernt. Mit ihr unterhalte ich mich, der Hund unterhält sich mit mir. Er ist sehr freundlich und die Besitzerin versichert mir, dass er nicht weiß, wie furchterregend er aussieht und wie stark er ist.
Ich bestelle noch ein Glas Bier. Ein älterer, sehr korpulenter Mann kommt mir entgegen. Wir grüßen uns und er schaut auf meine angesteckte Visitenkarte: „Du hast ja noch Dein Firmenschild an! Arbeitest Du in dem Krankenhaus da drüben?“
„Nee, guck doch mal richtig hin! Ich habe in Hamburg einen Hypnoseworkshop gemacht, deswegen noch das Schild“
Das stimmt nicht ganz, ich trage das „Firmenschild“ nicht im Workshop, sondern nur in der Öffentlichkeit. Es hat jetzt auch seine Wirkung nicht verfehlt, es hat diesen Mann neugierig gemacht. Die Hundebesitzerin hat es ebenfalls gesehen, aber nur mit einem irritierten Blick reagiert. Ebenso die Kioskwirtin.
„Also, ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass so etwas wie Hypnose irgendwie funktioniert........“
„Hast Du schon mal so etwas gesehen?“
„Ja, im Fernsehen, wenn jemand steif wie ein Brett gemacht wird und dann über zwei Stühle gelegt........“
Aha, er scheint das „Supertalent“ gesehen zu haben......
„Also, das mit „Steifwieeinbrett“, das kann ich Dir gerne mal zeigen, einfach so, ohne Hypnose. Haste Interesse?“ ….. und ohne mich um irgendwelche Bedenken oder etwaige Einwände zu kümmern, fordere ich ihn auf: „Steh ganz gerade, Füße zusammen. So, jetzt fass mal Deine Hosennähte mit beiden Händen ganz, ganz fest.“ Er trinkt nun erst mal einen großen Schluck Bier und schaut mich sinnierend an. Dann fasst er die Hosennähte und drückt die Hände fest zu. Ich trete hinter ihn, mit Ausfallschritt, und bewege ihn ein wenig nach hinten. Er ist tatsächlich steif wie ein Brett. Ich hätte Angst, ihn ganz bis zum Boden zu kippen. Er ist wesentlich schwerer als ich und außerdem geht es lediglich darum, ihm (und auch mir selbst!) Hypnosephänomene zu zeigen. Ob jemand zusieht, ob ein ganzes Auditorium zusieht, oder niemand, das spielt keine wesentliche Rolle.
„Ja, der ganze Körper war steif, weil ich so fest gehalten habe!“ erklärt er mir anschließend.
„Stimmt! Und das geht mit Hypnose einfach nur leichter. Das ist alles!“
„Aha!“ Und mein Freund setzt sich hin und nimmt noch einen großen Schluck Bier.
„Willste mal sehen, wie Dein linker Arm steif und unbeweglich wird?“
„Joah! Aber morgen brauch ich ihn wieder!“

Die Wirtin und die Hundebesitzerin stehen in der Tür und schauen interessiert zu. 

„OK, mach mal Faust, halte die Faust hoch, neben Deinen Kopf. So! Und jetzt immer stärker, immer kräftiger die Faust! Bis Du sie nicht mehr selbst bewegen kannst! Ist das schon Hypnose? Weiß ich nicht..... mach die Faust immer fester, immer fester. Wenn ich sie jetzt gleich anfasse und nach unten drücke und sage dazu „Schlaf“ oder ich berühre Deine Schulter, hier, so, und sage dazu „Schlaf“ oder ich sehe Dich ganz starr an, so, und sage dazu „Schlaf“, dann bist Du sofort in Hypnose! OK?“
Und im nächsten Moment sehe ich ihn starr an, berühre gleichzeitig eine seiner Schultern, drücke seine geballte Faust nach unten und kommandiere „Schlaf!“

Er schaut mich verwundert an, spricht kein Wort. Sein Blick geht ins Leere.
„Und wenn ich jetzt Deine Hand nehme und nach oben führe.....“ und dabei nehme ich die Hand, führe sie etwas über Schulterhöhe, lockere meinen Griff ganz vorsichtig. Ich bemerke, dass die Hand in der Stellung verharrt und spreche weiter....“dann bleibt sie, dann bleibt der Arm in der Stellung, in welche ich ihn gebracht habe. Tu einfach so, als ob der Arm nicht zu Dir, sondern zu mir gehört. Während der Arm jetzt ganz, ganz fest wird, so wie ein Eisenpfahl in der Gegend steht, streiche ich drei mal ohne zu berühren von der Hand bis hin zur Schulter.“ und ich beginne mit den Streichungen.
Verwundert und skeptisch schaut mich mein Freund an. „Komisch! Der Arm geht überhaupt nicht zu bewegen!“ 
„Und wenn Du es ganz doll versuchst?“
„Nee, geht nicht“ kommt eine etwas verlangsamt klingende Antwort.
Jetzt ist der Blick aber nur noch das personifizierte Staunen.

Die Hundebesitzerin verabschiedet sich hektisch und verschwindet in der Dunkelheit. Die Wirtin schaut demonstrativ über uns hinweg ins Nichts.
„Gut, während Dein Arm wieder ganz locker und entspannt nach unten sinkt, streiche ich drei mal ohne zu berühren anders herum drüber. Von der Schulter bis zur Hand!“ Der Arm sinkt nun langsam nach unten, ich führe ihn in die Ausgangsposition zurück. Er ist jetzt extrem locker.
„Aber, das geht doch nur, wenn man daran glaubt!“ meint mein Freund.
„Kann schon sein!“ Mehr weiß ich dazu nicht zu sagen.

Irgendwann verabschieden wir uns fröhlich voneinander.


Montag, 10. Oktober 2011

Überallhypnose: ein praktischer Tipp


Wo immer Du gerade bist, Du kannst jederzeit und überall aufgefordert werden, eine Hypnose zu zeigen, sei es zur Demonstration, sei es zum Zweck der Veränderung eines nicht (mehr) gewünschten Zustandes oder Verhaltens. Sei unbesorgt, meistens ist es die reine Neugier. Die meisten unserer Art wissen einfach nicht, was Hypnose sein könnte. Sie nehmen, wenn ihre Neugier stärker ist, als ihre Bedenken, gerne die Gelegenheit wahr, "die Hypnose" kennen zu lernen. Eine große Chance für uns, mit den "üblichen" Vorurteilen aufzuräumen, vielleicht sogar eine Möglichkeit, neue Klienten zu gewinnen. Aber auch eine Möglichkeit, durch übergroße Vorsicht, Lampenfieber oder sogar ein wenig Angst, Fehler zu begehen, sich zu blamieren! Eine schreckliche Vorstellung (;-)!
Hier ein Tipp zur Verstärkung des Selbstvertrauens: Zeige, wenn Du es mit einer Gruppe zu tun hast, irgend jemand anderem, wie diese(r) Deine Versuchsperson hypnotisieren kann. Das sorgt für allgemeine Erheiterung. Und: wenn dabei wirklich ein "Fehler" passieren sollte, dann ist es der Fehler Deines Schülers und Du bist der/diejenige, Coach, der/die diesen "Fehler" ganz elegant korrigiert. Und so geht's:

Der weiß gekleidete Hypnotisand hat um Demonstration einer ungewöhnlichen Hypnosetechnik gebeten. Er wird nun aus dem normalen Wachzustand heraus zuerst ohne Hypnose in eine Katalepsie, eine völlige Versteifung von oben bis unten, gebracht. Der Meister -schwarzgekleidet links- weist den Schüler -schwarzgekleidet und Jeans rechts- an, welche Anweisungen er dem Hypnotisanden geben muss. (Oder zeigt der Meister -rechts- dem Schüler -links- diese ungewöhnliche Art der Induktion? Beides ist möglich!)

Meister und Schüler platzieren den Hypnotisanden über zwei Stühle. Der Kopf liegt auf einem, die Füße auf dem anderen Stuhl. Es ist klar, wer Hypnotisand ist. Aber: wer ist Meister und wer ist Schüler?

Erst jetzt kommt die Suggestion: "Schlaf! Der Hypnotisand geht sofort in Trance. Wer von den beiden ist Meister, wer ist Schüler, wer hat die Suggestion gegeben? Und: Wann genau hat hier die Hypnose begonnen?

Auf der Straße oder in jeder anderen Umgebung genügen selbstverständlich auch weniger dramatische Induktionen. Nehmen wir an, Du unterhältst Dich mit einer Gruppe Menschen und wirst plötzlich zu einer Demonstration aufgefordert. Es findet sich ein Hypnotisand. Jetzt kannst Du in die Runde fragen: "Wer traut sich, unter meiner Anleitung, diesen Menschen zu hypnotisieren?" Findet sich ein Schüler, kannst Du ihn auffordern: "Frage den Hypnotisanden, ob er gesund ist, ob er Medikamente nimmt, ob seine Knochen und Gelenke in Ordnung sind...... Lass ihn kerzengerade stehen. Die Füße zusammen. Ganz stabil, so, dass sein Körper sich ganz von selbst ganz stabil trägt........ Jetzt lass ihn eine Faust ballen, so fest, dass er sie nicht mehr bewegen kann............ Und wenn Du ihm jetzt gleich, wenn ich es Dir sage, in die Augen schaust und sagst dazu "SCHLAF!", oder seine Schulter berührst und sagst dazu "SCHLAF!", oder die geballte Faust nach unten drückst und sagst dazu "SCHLAF!", dann wird er ganz fest und stabil stehen und dabei sofort, augenblicklich, in eine tiefe Hypnose gehen.........!"
Du kannst, während Dein Schüler diese Anweisungen befolgt, den Hypnotisanden in aller Ruhe beobachten. Mindestens doppelt so gründlich, als wenn Du alleine, ohne Schüler arbeitest. Aber jetzt übernimm die Hypnose selbst:
(zum Schüler): "Das hast Du sehr gut gemacht, die Hypnose ist schon eingetreten, jetzt übernehme ich wieder!
Dann schau den Hypnotisanden an, berühre gleichzeitig seine Schulter, fasse gleichzeitig seine geballte Faust, drücke sie nach unten und sprich laut und deutlich: "SCHLAF!" und: "Ja! das machst Du sehr gut mit!"
Fahre mit Deiner Lieblingsvertiefung fort, mache einen oder zwei Deiner Lieblingstests, vielleicht auch eine Fraktionierung und noch eine Vertiefung. Betone dabei immer wieder, dass der Körper sich von selbst hält, oder gib dem Hypnotisanden eine Sitzgelegenheit. Zur Demonstration genügt immer eine Kleinigkeit: lass eine seiner Hände irgendwo ankleben, lass ihn eine Zahl vergessen oder ähnliches. 
(Meine Lieblingsdemonstration ist: "eine Deiner Hände nähert sich unaufhaltsam Deinem Kopf, der Zeigefinger streckt sich aus, findet ganz von selbst das Ohr, steckt sich von selbst hinein. Das fühlt sich ganz, ganz toll an. Du willst und kannst ihn nicht mehr rausziehen. So toll fühlt sich das an."
Sobald sich der Zeigefinger ins Ohr gesteckt hat, wecke ich den Hypnotisanden auf, frage ihn nach seinem Befinden, frage, warum er denn einen Finger im Ohr hat, frage ihn noch während seiner Antwort, ob er ihn herausziehen kann und warum nicht. Noch während er antwortet, gebe ich den vereinbarten Anker und er geht in eine noch tiefere Hypnose. Ich erkläre ihm nun, dass er soeben eine hochinteressante, ungewöhnliche Erfahrung gemacht hat und kündige die Rücknahme an.)
Mach jetzt Deine Lieblingsrücknahme, und lass Dir an dieser Stelle suggerieren: Mach die Rücknahme wiederholt und sehr, sehr gründlich. 
Denke daran, dass Dein Hypnotisand auch nach der Rücknahme für ein bis zwei Minuten in einer Trance sein könnte. Gib ihm noch Wohlfühlsuggestionen und überzeuge Dich, dass er nach spätestens zwei Minuten richtig wach ist und keine Missempfindungen hat (welche er Dir in die Schuhe schieben würde!!)
Bedanke Dich beim Hypnotisanden, weil er mitgemacht hat und bedanke Dich bei Deinem Schüler, weil er (oder auch sie) alles für Dich vorbereitet hat. 

Möglicherweise hast Du jetzt zwei neue Freunde!

Dienstag, 30. August 2011

Rasputins Geheimnis - Alles Hypnose? Oder?


Vorab: wir wissen nicht viel.

Grigori Yefimovich Rasputin ist (vielleicht) 1869 im Januar, am 10. oder am 22. geboren. Je nach "altem" oder "neuem" Kalender. Genaues weiß man auch hier nicht. Sollte er vielleicht am 11.01. geboren sein? (Der 11.01. als Geburtsdatum scheint astrologisch zum Meisterhypnotiseur zu prädestinieren!)

War er ein Gesundbeter? Ein Hypnotiseur? Es gibt wenige göttliche oder auch teuflische Eigenschaften, die ihm nicht zugeschrieben wurden. Was war eigentlich sein "Grundberuf"? War er ein ordinierter Geistlicher? Oder stimmt es, dass er nie zum Priester geweiht wurde, weil er sich die wichtigsten Gebete nicht merken konnte?  
Bekannte Bilder zeigen einen eher wenig vertrauenserweckenden Menschen. 


Aber zeigen sie nicht auch jemanden, der seiner Sache völlig sicher ist? Ein aufmerksamer, auf den Betrachter gerichteter Blick, oft eine hoch erhobene Hand, die vielleicht segnet, dabei den Blick des Betrachters nach oben lenkt...... vielleicht braucht es nur noch eine kleine, unauffällige Intervention, völlig nebenbei, die den Betrachter in Trance fallen lässt.......
 
Offenbar konnte Rasputin durch Gebete, Rituale, in einem verbürgten Fall sogar durch ein Telegramm, den Zustand des an Hämophilie (Bluterkrankheit) leidenden Russischen Zarensohnes beeinflussen. Die Zarenfamilie war ihm unendlich dankbar, er gewann mehr und mehr Einfluss, den er offensichtlich auch scham- und rücksichtslos ausnutzte. Oder etwa doch nicht? Seine Tochter, die nach der Oktoberrevolution ins Exil ging, später in den USA Tigerdompteurin war, hat ihn zeitlebens als einen Heiligen bezeichnet. Alles andere sei bösartige Neidpropaganda gewesen.
Am 29.12.1916 (bzw. 16.12.) wurde er vergiftet und erschossen. Nacheinander. Von Aristokraten, die hierdurch die Russische Monarchie retten wollten, sagt man. Oder war es der Britische Geheimdienstoffizier Oswald Rayner? Die Briten fürchteten immerhin, der Pazifist Rasputin könne durch seinen Einfluss auf die Deutschstämmige Zarin letzendlich das Russische Engagement im ersten Weltkrieg vermindern und damit den Briten größere Kriegsanstrengungen aufbürden.


Was also wissen wir?
  • Rasputin war überzeugt! Wovon auch immer! Selbstzweifel waren ihm fremd.
  • Rasputin verstand es, Aufmerksamkeit und Interesse auf sich zu fokussieren.
Damit hat er nicht nur als "Heiler" gewirkt, sondern auch -bewußt oder unbewußt- großen Einfluss auf seine Umgebung und auch darüber hinaus ausgeübt.


Und: Sind das nicht die beiden grundlegenden Eigenschaften des erfolgreichen Hypnotiseurs? Egal ob im stillen Therapeutenkämmerlein, ob auf der Bühne oder auf der Strasse?

Können wir von ihm lernen? 
 

Donnerstag, 4. August 2011

Wann beginnt bei einer Hypnose die eigentliche Hypnose?

Immer wieder beschäftigt mich die Frage, wann bei der Hypnose genau der Hypnosezustand eintritt. Viele berufene Autoren habe darüber geschrieben. In Diskussionsforen taucht die Frage immer wieder einmal auf.
Je nach Lektüre kann man verstehen: Schon beim Vorgespräch (oder schon davor? wann?), bei der Einleitung, beim Vertiefen und Testen, oder - oder - oder...... 
In meinem letzten, dem verunglückten Newsletter, habe ich einen Fall beschrieben, bei welchem die Hypnose wahrscheinlich erst bei der Nutzung der Trance eingetreten ist. Der Hypnotisand konnte sich erst auf den Hypnosezustand (und auf Suggestionen) einlassen, als er die unwillkürlichen "ideomotorischen" Fingerzeichen an sich selbst wahrnahm. 

Doch sollten wir uns vielleicht lieber fragen: wie können wir den Eintritt eines Hypnosezustandes erkennen und nutzen? Gleichgültig, wie die Hypnose induziert worden ist: ganz "klassisch", "modern", permissiv", aus dem Gespräch heraus, oder wie auch immer......

Vor einigen Tagen konnte ich den Übergang vom normalen Bewusstsein zum Hypnosezustand in einem Alltagsgespräch sehr schön beobachten. Nun ja, eigentlich war das Gespräch ein Zielgespräch: Seit etwa drei Monaten hatte ich mich um fachkundige Hilfe wegen der Zentralheizung bemüht. Die Installationsfirma, das heißt, die Dame vom Büro, hatte mir hoch und heilig den baldigen Besuch eines Klempners versprochen. Nach einigen Wochen lag ein Zettel im Briefkasten. Ein Klempner war ohne Terminvereinbarung gekommen, hatte aber  niemanden angetroffen. Nach einigen Telefonaten und Terminversprechungen war noch immer nichts geschehen. Ich war sauer und dachte an einen "Klempnerwechsel". Andereseits war ich mit dieser Firma immer recht zufrieden gewesen. Wegen ihrer Qualität und auch Verlässlichkeit.

Und nun versuchte ich, nach vergeblichen Telefonanrufen etwas anderes: Ich ging höchstpersönlich zur Firma hin. Mit der Frage: Was will ich? Will ich meinen angestauten Frust abladen? Will ich, dass die ganze Firma sich zwei Monate lang nur noch an mein Schimpfen und Fluchen erinnert? Oder will ich die Heizung vor Herbstbeginn neu eingestellt haben? 
ICH WILL LETZTERES!

Eine freundliche Mitarbeiterin schaut etwas irritiert nach meiner Kopfbedeckung. Mein Logo: "Hypnose macht Spaß" ist nicht zu übersehen
Ich grüße höflich und sie grüßt zurück. (Ungeachtet aller Gockel-Diskussionen, wer wen zuerst grüßen muss, bin ich überzeugt, dass derjenige, der zuerst grüßt, automatisch die überlegene Position hat.) 
Jetzt beginne ich auch den Dialog, stelle mich erst mal vor, dann:
"Gibt es eine Chance, noch vor Beginn der Heizperiode die Zentralheizung überprüfen zu lassen?"
"Selbstverständlich!" -strahlt sie mich an -"Da ist ja noch jede Menge Zeit!"
(Das ist eine Zustimmung, die ich gerne noch einmal wiederholt hätte) 
Ich lächle zurück:  "Ja, geht das? Das ist schön! Eigentlich ist es mir völlig egal, wann da jemand kommt. Nur sollte es noch vor der Heizperiode sein!"
"Natürlich geht das!" 
(Die zweite Zustimmung!)
"Ach ja, es wäre richtig toll, wenn es noch jetzt im August sein könnte!"
Sie lächelt noch mehr: "Also, das bekommen wir ganz sicher hin!"
(Zustimmung Nummer drei!)
"Oh, da fällt mir gerade ein, diese und die nächste Woche bin ich meistens zu Hause. 
Ach, das müsste eigentlich gehen!"
(noch eine Zustimmung, die vierte, und jetzt beobachte ich, wie sich schlagartig ihre Physiologie verändert:     der Blick ist fest auf das Logo meiner Kopfbedeckung gerichtet, die Haltung scheint "eingefroren", ein klingelndes Telefon wird ignoriert.)
 
Jetzt bringe ich die entscheidende Suggestion ein:
"Am günstigsten wäre es morgen im Laufe des Vormittags!"  (Die Suggestion ist gleichzeitig ein Test: wird sie wie selbstverständlich, ohne wenn und aber akzeptiert, habe ich die "Hypnosezeichen" richtig gedeutet.)

"Ja, ja, da muss ich einfach mal ordentlich Druck machen! Das wird wohl gehen!"
Sie nimmt einen Terminkalender und schreibt etwas auf. Ich bedanke mich freundlich, nehme die Kopfbedeckung ab und spreche der Firma noch ein Lob für die allgemeine Zuverlässigkeit aus. Die Dame freut sich und erklärt, dass es schön ist, immer wieder einmal eine positive Rückmeldung zu bekommen. 
Und am nächsten Morgen ruft tatsächlich ein Mitarbeiter der Heizungsfirma an, eine Stunde später steht er vor der Tür, das Neukalibrieren der Heizung ist für diesen Fachmann eine Kleinigkeit. 
Und er gibt mir seine Handynummer und verspricht unaufgefordert, für möglicherweise notwendige Feinjustierungen sofort verfügbar zu sein.  

Und ich bin mir sicher, trotz egoistischer Manipulation der Bürodame am Vortag auch eine Freude gemacht zu haben. 
Und jetzt meine Frage: wann hat hier wohl die Hypnose begonnen?

Dienstag, 19. Juli 2011

Wann beginnt die Hypnose???

Ein Highlight ist es immer, wenn wir einen Hypnotisanden -sei es auf der Bühne, sei es im stillen Therapie-Kämmerlein- sofort in Hypnose versetzen. Das gelingt immer öfter, manchmal auch (scheinbar) gar nicht.
Mein Freund Jonathan Chase zeigt unter anderem ein Youtube-Video, in welchem eine Hypnose nicht bei der Einleitung, sondern erst beim Vertiefen eintritt. (Oder war der/die KlientIn vielleicht schon vor der eigentlichen Induktion hypnotisiert?)
In meinem untenstehenden Beispiel scheinen zunächst alle Bemühungen zu scheitern. Oder vielleicht doch nicht?
Am Ende geht der Klient zufrieden nach Hause.
Was hätte man anders machen können/sollen? (Kommentare freundlichst erbeten!)
 

Ein fünfzigjähriger, recht sportlicher, durchtrainierter Klient, Herr D, wie wir ihn nennen wollen, meldet sich zur Raucherentwöhnung.
„Ich muss unbedingt aufhören. Die Ärzte im Krankenhaus haben gesagt, wenn ich weiter rauche, dann lebe ich höchstens noch fünf Jahre lang. Ich merke selbst, wie meine Kondition in den letzten Wochen nachgelassen hat. Vor einer Gewichtszunahme, wenn ich das Rauchen aufhöre, habe ich überhaupt keine Angst, im Gegenteil. Mehr Gewicht könnte mir nichts schaden. Ich habe früher mal ein schlimmes Alkohol- und Medikamentenproblem gehabt. Mit Delir und allem drum und dran. Seit mehr als zehn Jahren bin ich trocken. Habe Angst, dass ich das Rauchen los werden und dafür wieder Alkoholabhängig werden könnte.
Die Motivation ist ein wenig klärungsbedürftig, meine ich und frage, was Herr D. von Hypnose weiß und wie er auf mich gekommen ist.
Und ich erfahre, dass Herr D zu wissen glaubt, dass man in Hypnose bewusstlos sei und dem Hypnotiseur auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Und von mir weiß er über einen Arzt, der wiederum sich sehr über einen seiner Patienten gewundert hatte, welcher seine Rauchgewohnheiten -ca. 50 Zigaretten täglich- mit einem Schlag beendet hatte. Nach einer einzigen Hypnosesitzung bei mir.
Also -deute ich still für mich- hat der Klient einen Heidenrespekt vor mir, andererseits möglicherweise überzogene Hoffnungen. Trotz unserer Idealvorstellungen vom Coaching auf Augenhöhe und Klienten-Coach-Beziehung auf der Erwachsenenebene glaube ich, dass Herrn D's unrealistische Vorstellungen durchaus im Sinne seines Erfolges nutzbar gemacht werden können.

Wir beginnen also nach zwei "Convincern" mit der Hypnose:

Herr D. hat es sich im Fernsehsessel bequem gemacht und wird aufgefordert, meine Hand, welche ich weit oberhalb seiner Augen halte, zu fixieren. Wenn die Hand langsam vor seinen Augen nach unten fährt, soll er ihr nachblicken. Wenn sie dann irgendwann seinen Gesichtskreis verlässt, soll er die Augen einfach zufallen lassen und in Trance gehen.
Die Augen fallen nicht zu, sondern blicken mich aufmerksam an.
„Schließen Sie die Augen!“
Gut, dabei folgt er mir.
Ich vertiefe die Trance mit Zählen. Betone dabei seine Ausatmungsphasen und verbinde jede Zahl mit vertiefenden Suggestionen. Danach gehe ich die fünf Sinne durch, lenke seine Aufmerksamkeit auf sein Sehen (auch mit geschlossenen Augen kann er wahrnehmen, ob es hell oder dunkel ist), auf das Hören, Fühlen, Riechen, Schmecken. Fünf Dinge, welchen er einfach zustimmen muss!
Und ich verbinde diese fünf Sinneseindrücke am Ende mit der Suggestion (Behauptung!), er gehe nun immer tiefer in Hypnose und fühle sich dabei immer wohler. Eigentlich müsste er, wenn er diesen fünf Sinneseindrücken zugestimmt hat, auch der anschließenden Suggestion zustimmen.
Ich fordere ihn auf, mir seinen rechten Arm zu überlassen. Nehme seine rechte Hand und hebe sie ein wenig an. Die Hand ist eisig kalt. Ein Angstsymptom. Ich bin neugierig, was geschehen wird, wenn ich den ganzen Arm ein wenig anhebe: wird er kataleptisch in der Stellung bleiben, in welche ich ihn gebracht habe? Oder wird er ganz schwer in meiner Hand liegen und beim Loslassen -platsch- auf die Unterlage zurückfallen?
Im ersteren Fall würde ich die Katalepsie verbal verstärken. Und nach wenigen Augenblicken zurücknehmen und eine zunehmende Schlaffheit und Entspannung suggerieren. Im letzteren Fall – nun ja, der stellt sich jetzt ein. Die Hand liegt ganz schwer in meiner und ich sage nun an, dass sie, sobald ich sie los lasse, schwer sie ein nasser Putzlappen auf die Unterlage zurückfallen wird. Das demonstriere ich noch zwei mal und dann kündige ich an:
Wenn ich auf drei zähle, dabei mit den Fingern schnippe und „HELLWACH“ sage, dann sind alle Hypnosezeichen verschwunden, Sie sind hellwach, wir können uns ganz normal unterhalten. Wenn ich Sie aber anblicke und sage dazu irgendetwas mit „TRANCE“, oder ich Ihre linke Schulter berühre und sage dazu irgendetwas mit „TRANCE“, oder ihre linke Hand berühre und sage dazu irgendetwas mit „TRANCE“, dann sind Sie augenblicklich in einer noch mal so tiefen und noch mal so angenehmen Hypnose!
So geschieht es. Herr D öffnet sofort die Augen, ist hellwach, beschwert sich „Ich habe aber alles gehört!“, wird noch einmal darauf hingewiesen, dass hier keine Narkose, sondern eine Hypnose stattfinden soll.
„Ach so“ meint er.- und ich blicke ihn an, berühre gleichzeitig seine linke Schulter und seine linke Hand und spreche laut und deutlich: „Jetzt gehen Sie wieder in Trance!“
Er schließt sofort die Augen und entspannt sich.
Und ich mache sicherheitshalber eine Art Elman-Test: „Entspannen Sie ganz tief, ganz angenehm. Entspannen Sie ganz besonders Ihre Augenmuskeln, so tief, so tief, dass Ihre Augenmuskeln jetzt für diese Minuten überhaupt nicht mehr funktionieren, dass, wenn Sie versuchen würden, die Augen zu öffenen, dass es einfach nicht gehen würde. Dass, je mehr Sie Sich anstrengen würden, die Augen zu öffnen, umso weniger es gehen würde.“
Nach einigen Widerholungen: So, nun testen Sie mal, Versuchen Sie Ihre Augen zu öffnen. JETZT!!
Und Herr D öffnet die Augen.
„Gut, Sie haben jetzt getestet, dass Sie die Augen öffnen können, wenn Sie es wollen, nun testen Sie mal diese Vorstellung, die Augen nicht öffnen zu können, wenn Sie es versuchen. JETZT!“
Und wieder öffnet Herr D die Augen.
(Ich denke jetzt gleichzeitig:
„Bei einer Show oder sonstigen Vorführung hätte ich ihn schon längst von der Bühne komplimentiert“
und:
„Widerstand ist nichts als mangelnde Flexibilität auf Seiten des Therapeuten!!!!!“)
Und bin neugierig, was Herr D. wohl tun wird, wenn ich ihn auffordere, die Augen ganz weit zu öffnen und wieder zu schließen.
Er folgt dieser Suggestion, öffnet die Augen weit und lässt sie wieder zufallen.
Ich verbinde dieses Geschehen schnell mit der Suggestion, dass er jetzt noch viel, viel tiefer in die Trance gehen wird.

Und bitte jetzt sein Unterbewusstsein um Fingerzeichen „ganz von selbst, ganz ohne Ihr Zutun!“ Ein Fingerzucken rechts für Ja und links für Nein. Bitte, das Unterbewusstsein, mir mit einem Fingerzucken Zustimmung oder Ablehnung zu signalisieren.
Nichts geschieht.
„Gut, Ihr Unterbewusstsein ist noch unentschieden, das ist ganz in Ordnung. Ich will es jetzt mal bitten, Ihnen zu zeigen, wie das in einigen Jahren aussehen wird, nachdem Sie heute sowohl das Rauchen als auch andere Süchte endgültig in die Vergangenheit geschoben haben“ -eine kühne Suggestion, aber Herr D war sein Leben lang Fussballtrainer-

„Ich bitte nun Ihr Unterbewusstsein, Ihnen diesen Zukunftszeitpunkt vorzustellen, Ihnen insbesondere zu zeigen, was sie da sehen um Sich herum, wie Sie es sehen, was dabei besonders wichtig ist, an diesem Zukunftszeitpunkt, nachdem Sie im Jahre 2011 am x.x. das Rauchen und andere Süchte endgültig in die Vergangenheit geschoben haben.“
Und ich bitte sein Unterbewusstsein noch mal um ein Fingerzeichen, ganz von selbst, wenn es ihm das, was ich gerade vorgeschlagen habe -und ich wiederhole das noch ein mal- wirklich gezeigt hat.
Und: jetzt kommt ein Fingerzeichen! Ein Ja!
Danach bitte ich sein Unterbewusstsein, ihm zu zeigen, was er in dieser Zukuftssituation hört, wie er es hört, was dabei besonders wichtig ist, ich bitte sein Unterbewusstsein, ihm zu zeigen, wie er sich in dieser Zukunftssituation fühlt (mache dabei eine Reise vom Kopf bis zu den Fußzehen und zurück), bitte sein Unterbewusstsein, ihm zu zeigen, welcher Geruch in der Luft liegt, in der Umgebung und auch vom eigenen Körper ausgehend. Ich bitte sein Unterbewusstsein, ihm zu zeigen, welchen Geschmack er im Mund spürt.
Jedes mal, bei jeder Sinnesrepräsentanz, bitte ich sein Unterbewusstsein um Bestätigung per Fingerzeichen.
Und die Fingerzeichen kommen sehr deutlich!
Und auch, als ich sein Unterbewusstsein bitte, ihm aus der Zukunft heraus Erinnerungen zu zeigen, wie einfach es doch war, am heutigen Tage Rauchen und andere Süchte in die Vergangenheit zu schieben, wird diese „zukünftige Erinnerung“ per Fingerzeichen bestätigt.
Auch eine suggerierte „Zukünftige Erinnerung“, welche Schwierigkeiten und Widerstände es zu überwinden gab, wird prompt per Fingerzeichen bestätigt.
Auch die Bitte an das Unterbewusstsein, Herrn D. eine Art „Zauberwort“ zu geben, welches in möglichen Gefahren- und Verführungssituationen ganz von selbst auftaucht und den heutigen Erfolg immer mehr festigt, wird per Fingerzeichen bestätigt.
Herr D. ruht nun einige Minuten, während er Gedanken, Bilder und Vorstellungen an sich vorüberziehen lässt und sich dabei immer wieder sein Zauberwort vorstellt. Gesprochen, gesungen, geschrieben, gefühlt, gerochen, geschmeckt, so, wie sein Unterbewusstsein es ihm vorstellt.
Danach wird die Hypnose gründlich und dreifach wiederholt zurückgenommen.

Im Nachgespräch wundert sich Herr D. über die Fingerzeichen. „Das war zuerst ein ganz komisches Gefühl! In dem Moment, als ich nichts mehr erwartete, kamen die tatsächlich. Dann war es auch irgendwie selbstverständlich. Ich habe mich plötzlich in der Zukunft erlebt. Es war ganz schön. So ohne diesen Suchtdruck. Den habe ich jetzt übrigens auch nicht. Also, zuerst habe ich nicht an Hypnose geglaubt, habe gedacht, das geht nur, wenn man besoffen ist. Aber irgend etwas ist da jetzt passiert. Zauberwort? Na klar, das hab ich auch. Bin gespannt, wie es weiter geht! Übrigens fühle ich mich richtig wohl im Moment“

Auch ich bin gespannt, wie es mit Herrn D. weiter geht. Er kann mich jederzeit anrufen. In etwa drei Wochen wird er mir auf jeden Fall ein Feedback geben. Darauf bin ich neugierig!

Sonntag, 20. Februar 2011

Hühner - Hypnose

Jakob, acht oder neun Jahre alt, ist mit seinen Eltern nach Tirol in Urlaub gefahren. Er führt einen geheimen "Kriegsnamen" JUPP. Und wundert sich dass man in Tirol eine ähnliche Sprache spricht, wie zu Hause.

Kühe, Katzen und Hühner kümmerten sich nicht um Sprachprobleme. Sie sahen offenbar in Jakob keine Gefahr für Leib und Leben. Die Katzen waren und blieben misstrauische Einzelgänger, die in Ruhe gelassen werden wollten. Die Kühe schauten ihn freundlich an und ließen sich streicheln. Die vier Hühner schauten ihn mit gleich bleibendem Gesichtsausdruck aufmerksam an und blieben stehen. Das sollte Folgen haben.
Irgendjemand hatte Jakob einmal erzählt, wie man Hühner hypnotisieren kann.
Das ging so: man musste den Vogel auf die Seite legen und festhalten. Wenn der dann nach kurzer Zeit aufhörte, zu zappeln, musste man ihm ganz leicht mit dem Zeigefinger von der Schnabelspitze bis zum Schwanzende über die Mittellinie streichen. Über den Rücken oder über den Bauch war egal.
Jupp -nicht Jakob- probierte es aus. Und es funktionierte. Die vier Hühner, die so unvorsichtig waren, vor Jupp-Jakob nicht davon zu laufen, lagen nach und nach regungslos am Boden. Was sollte er jetzt mit ihnen machen? Lebten sie überhaupt noch? Jupp schüttelte eines der Hühner vorsichtig. Es flatterte laut gackernd davon und verkroch sich in die dunkelste Ecke. So wie Jakob, der sich jetzt lieber außerhalb des Hauses sehen ließ, und alles tat, um nicht etwa mit toten oder verstörten Hühnern in Verbindung gebracht zu werden.
Als er nach einer halben Stunde vorsichtig nachsah, liefen alle Hühner quicklebendig und munter herum, als sei nichts geschehen
Jakob sah an diesem Tag noch einig male nach den Hühnern. Sie benahmen sich wie sonst auch. Niemand konnte ihnen irgend etwas ansehen.
Am nächsten Tag folgte das zweite Experiment. Mit dem gleichen Ergebnis wie am Vortag. Und dann wagte Jakob noch mehr: als drei Hühner regungslos am Boden lagen, nahm er eines davon vorsichtig auf, vermied jede ruckartige Bewegung. Er drehte es auf die andere Seite. Es blieb regungslos liegen. Hatte er vielleicht zu viel getan? Mehr, als das Huhn vertragen konnte? Die beiden anderen Hühner ließen sich ebenfalls herumdrehen und blieben liegen. Jakob schauderte. Das vierte Huhn hatte sich nicht blicken lassen. War es vielleicht irgendwo in einem Versteck gestorben? Leise stahl sich Jakob aus dem Stall.
Was hast du die ganze Zeit gemacht?“ hörte er die Stimme seines Vaters. Er wusste nichts zu antworten. Neben einer leichten Ohrfeige hörte er noch: „und jetzt wird eine halbe Stunde lang Rechnen geübt! Du verlernst doch in den Ferien alles!“ Wie er diese Schulübungen in den Ferien hasste! Andere Schulkameraden, das wusste er, hatten die ganzen Ferien über richtig frei. Deren Eltern waren nur interessiert, dass die Kinder ihre acht Jahre Pflichtschulzeit irgendwie überstanden. Jakob dagegen musste seine Schulhefte sogar ins Ausland, hinter Bayern mitnehmen. Als der Zöllner beim Grenzübertritt nach Zollware gefragt hatte, hätte Jakob gerne die Schulhefte angegeben. Ja, wenn dann nicht nur die Hefte beschlagnahmt worden wären, sondern auch die Eltern verhaftet worden wären, hätte er sie bestimmt angegeben. Aber die Wirklichkeit sah anders aus. Mit Sicherheit wäre außer einer Tracht Prügel und endlosen Strafpredigten nichts passiert.
Irgendwann ist jede Übungsstunde vorbei.
Und drei Hühner liefen munter umher und verhielten sich völlig normal. Eines war und blieb verschwunden
Jetzt war Jakob sicher: diese drei Hühner würden seine Hypnosen immer wieder überleben. An das vierte Huhn dachte er nicht mehr. Und sofort, nachdem er sich vergewissert hatte, dass er unbeobachtet war, begann er, die Hühner anzulocken. Schnell war eines nach dem anderen in Starre versetzt. Vorsichtig nahm Jakob eines der Hühner und spreizte einen Flügel ab. Er ließ los. Der Flügel blieb, wie er war. Ermutigt tat er das selbe mit den anderen Hühnern. Drei Hühner lagen mit einem abgespreizten Flügel auf der Seite. Ein seltsamer Anblick. Jakob nahm eines der Hühner vorsichtig auf und trug es zu einem kleinen Leiterwagen. Er setzte es sanft auf die Deichsel und spreizte beide Flügel des Vogels ab. Wie aber sollte er es anstellen, dass das Huhn so auf der Deichsel sitzen blieb? Es kippte immer ein wenig zur Seite, wenn er vorsichtig losließ.

Was machst da mit die Hennen, du Saulump, elendiger, du!“ Und Jakob rannte um sein Leben, während der Bauer wütend aufstampfte und die eben noch regungslosen Hühner geräuschvoll in verschiedene Richtungen auseinanderstoben.
Als Jakob sich endlich wieder zurück traute, hörte er von weitem seine Mutter zetern: „ich gehe jetzt zur Polizei, wenn der nicht gleich hier ist! Ich lasse ihn suchen!“ Also musste sie ihn schon gesehen haben. Wenn Jakob lange unterwegs war und ungesehen zurück kam, bemerkte es die Mutter meist nicht. Oder sie fing erst dann mit ihren Sprüchen an, wenn sie ihn bemerkt hatte.
Seufzend ließ Jakob die übliche Strafpredigt über sich ergehen. Warum konnten seine Eltern diese Gewohnheit nicht einfach ablegen? Das hätte wirklich vieles vereinfacht.
Jakob erschrak: jetzt kam der Bauer aus dem Stall. Doch der nickte lediglich der Mutter zu und übersah den Jungen genau so wie sonst auch. Also konnte den Hühnern nichts schlimmes passiert sein.
Abends gab es irgendetwas mit Pilzen und Huhn. Jakob ließ es sich schmecken, so dass er eine strenge Ermahnung kassierte, nicht so schnell zu essen. Normalerweise wurde er ermahnt, nicht so langsam zu essen.
Jakob war nicht mehr zu bremsen. Mit den drei übrig gebliebenen Hühnern übte er so oft wie möglich das Hypnotisieren. Wer wusste schon, wie lange es sie noch gab. Er passte schrecklich auf und wurde auch nicht mehr erwischt.
Nach einer weiteren Woche war Heimreise. Jakob sah aus dem Omnibus heraus ein Huhn um die Ecke gucken. Es zog seinen Kopf schnell wieder zurück.

Aus: wie aus Jakob "Jupp, der Hypnotiseur" wird

Sonntag, 2. Januar 2011

Wenn es nicht funktioniert, dann mache etwas anderes!

Eine unangenehme Situation für jeden Hypnotiseur, ob auf der Bühne, im kleinen Kreis oder im therapeutischen Setting: Die Hypnoseeinleitung funktioniert trotz positivem Vorgespräch und (zumindest scheinbarer) Bereitschaft und Erwartung von Seiten des Hypnotisanden nicht. Hat der/die Hypnotisand/In nichts verstanden? Bahnt sich am Ende gar ein Machtkampf an? Werde ich „vorgeführt“? Wie stehe ich jetzt als Hypnotiseur/In da? Manche Hypnotiseure haben in solchen Situationen schon aufgegeben.
Wenn ich mich als Hypnotiseur mit allen Sinnen auf mein Ziel konzentriere, dann sollte diese Situation kein Problem mehr sein. Dann gehe ich davon aus, dass der/die Hypnotisand/In in Hypnose gehen wird. Das ist alles. Es gibt keine Versager! Höchstens dass ich hier und da einmal nicht auf Anhieb verstanden worden bin (oder mich nicht genügend verständlich gemacht habe). Ok, das ist menschlich. Das lässt sich nicht vermeiden. 

Einer meiner Kursteilnehmer erzählte mir dazu folgendes:
Gestern hatte ich einen Klienten zur Hypnose. Er schien gesund und intelligent, schien auch genügend motiviert. Ich demonstrierte ihm ganz schnell die „leichte und schwere Hand“ und noch irgendeinen Convincer. Er machte diese Experimente interessiert mit und schien ziemlich erstaunt darüber. Insbesondere, dass er die schwere Hand kaum noch hochhalten konnte, während die leichte Hand fast von alleine zu schweben schien.
Zur Einleitung wählte ich die „magnetischen Hände“.
Bei der Vorstellung, in beiden Händen sei ein Magnet, diese beiden Magneten zögen sich immer stärker an, blickte er neugierig auf seine Hände. Diese machten nicht die geringsten Anstalten, sich aufeinander zuzubewegen. Ich dachte nach einer Weile an meine Terminplanung und an das, was Du uns über solche Situationen erzählt hast.
Ich stellte mir vor, dass die Induktion, die Einleitung, erfolgreich beendet sei und begann zu vertiefen. „Und während Deine Hände nun immer stärker, immer schneller von diesen Magneten zusammengeführt werden, zähle ich langsam von eins bis fünf. Wenn Deine Hände sich berühren, dann lass sie einfach nach unten fallen, geh in Hypnose und wenn ich bei der fünf angelangt bin, dann bist Du so tief in Hypnose, wie Du heute kannst und willst.........“
  • und im nächsten Moment waren die Augen geschlossen und die Hände begannen sich immer schneller aufeinander zu zu bewegen.
Nach der Zahl fünf machte ich zur Sicherheit noch einen modifizierten Elman-Test. Ich suggerierte dem Klienten, dass die Augenmuskulatur so tief entspannt sei, dass er jetzt, jetzt im Moment, die Augen nicht öffnen könne. Als ich ihn anwies, zu versuchen, die Augen zu öffnen, dabei zu erleben, dass das nicht ginge, lachte er leise.
In der folgenden Viertelstunde kommunizierte ich mit ihm über ideomotorische Zeichen.
Anschließend erinnerte er sich nur noch, dass er die Augen nicht öffnen konnte, dass er das sehr erheiternd gefunden habe. Die lästige Gewohnheit, die ihn zu mir geführt hatte, habe er zusammengeknüllt und in den Weltraum geschossen.
An die Einleitung konnte er sich nicht mehr erinnern.“

Natürlich war (und bin) ich mächtig stolz darauf, dass ein sehr erfolgreicher Hypnotiseur sein Handwerk bei mir gelernt hat.
Was war das wesentliche an seinem Erfolg nach dem anfänglich scheinbaren Misserfolg? Sicherlich war die auf das Ziel gerichtete Intention wichtig und wesentlich.
Dennoch: zu seinem Erfolg trug etwas noch wesentlicheres bei.
Was es ist, wie man es gewinnt und wie man damit umgeht, wird im Workshop
MX RELOADED
am 28.01.2011 in München behandelt.
MX bedeutet übrigens: „macht nix!“ - Bedeutet: Misserfolg gibt es nicht. Bedeutet: Wenn es nicht geht, mach etwas anderes!
Neugierig?
Übrigens: die Strategien sind auch außerhalb der Hypnose(n) immer wieder praktisch!
  • Zeit: 28.01.2011 von 14:00 bis ca. 18:00
  • Ort: Hypnovita-Institut München
  • Kosten: EUR 60,-- - Mitglieder des DVH EUR 50,-- 
  • Hier ist der Link zur Anmeldung 

Freitag, 24. Dezember 2010

Samstag, 9. Oktober 2010

Hypnose - Hypnotherapie - Showhypnose

Was ist der Unterschied zwischen Showhypnose und Hypnotherapie?
Antwort: ungefähr EUR 1000,-- 
(ist nicht auf meinem Mist gewachsen, ich verbreite es trotzdem..................ist von Jonathan Chase)

happy hypno
wünscht
Hans

Mittwoch, 29. September 2010

Mesmerismus? Handauflegen? REIKI?


Anfang September erlebte ich wieder einmal, wie eine Hypnotisandin nach dem "Aufwecken" verwundert feststellte: meine Arme fühlen sich ganz ungleichmäßig.
"Das mach' ich Dir weg!" war meine Antwort, "als Handaufleger bin ich, glaube ich, ganz gut!" -und in wenigen Augenblicken fühlten sich die Arme wieder gleichmäßig an. Und danach kamen einige Zuschauer mit Problemen, die ich beseitigen durfte und auch mit Fragen, die ich beantworten musste: "ist das so was wie Reiki?" "kann man das lernen?" Undsoweiterundsoweiter.........

Für alle, die mich danach fragen wollen:
So kam es dazu:

Im Jahre 1978 war ich als neuer Oberarzt für Anästhesiologie in einem Kreiskrankenhaus tätig.
Ein Patient der Intensivstation verlor krankheitsbedingt immer mehr Blut. Kein Medikament half, kein Eingriff, keine Bluttransfusion. Hilflos stand ich an seinem Bett. Alle anderen Ärzte, Schwestern, Pfleger hatten sich unter verschiedenen Vorwänden davongemacht. Niemand wollte mit dem bevorstehenden Todesfall in Verbindung gebracht werden.
"Was hat Rasputin damals gemacht?" schoß es mir durch den Kopf. Rasputin konnte angeblich Blutungen durch Handauflegen zum Stillstand bringen. Ein heruntergekommener Theologe, der sich die wichtigen Gebete nicht merken konnte. Deswegen nicht zum Priester geweiht wurde. Unwillkürlich mußte ich lächeln. Ich konnte mir noch nie die gängigen medizinischen Abkürzungen merken. Hatte meistens ein kleines Notizbuch in der Tasche.
"Wer immer ihm diese Gabe gegeben hat, möge sie auch mir geben - Bitte!" murmelte ich vor mich hin.
Ich fühlte einen Impuls, meine Hände über den Patienten zu halten. Dann war es, als ob etwas meine Hände zu der "richtigen" Stelle führte. Wenig später kam die Blutung zum Stillstand. Ich fühlte eine tiefe Dankbarkeit. Sprach mit niemandem darüber.
Ich hatte im Krankenhaus noch öfter Gelegenheit, unstillbare Blutungen zu beeinflussen. Bei wem ich mich jedesmal bedankte, weiß ich bis heute nicht.
Nachdem ich den Krankenhausdienst verlassen hatte, gab es zunächst jahrelang keine Gelegenheit mehr, das Handauflegen auszuüben.
Ich versuchte mich später in Akupunktur, Neuraltherapie, studierte Tiefenpsychologie, wurde Psychoanalytiker (war im Grunde meines Herzens in erster Linie Hypnotiseur).
Es sollte fast zwanzig Jahre dauern, bis das Handauflegen wieder zu mir kam. Und auch ganz unspektakulär: In einem Hypnosekurs kam die Sprache auf das Handauflegen. Eine Kursteilnehmerin, kritische Diplompsychologin, bat mich um ein Energetisches Experiment. Sie hatte vor Jahren einen Unfall erlitten. die rechte Unterkieferhälfte war seit dem gefühllos. Vom Neurologen für unheilbar erklärt. "Eigentlich glaube ich nicht an so etwas, aber mach mal!"
Ich zögerte, dachte dann an Franz-Anton Mesmer, der durch Zufall entdeckt hatte, daß es bei seinen „magnetischen“ Behandlungen gleichgültig war, ob er Magneten auflegte oder „nur“ seine leeren Hände.
Ich imaginierte, was Franz-Anton Mesmer getan hätte. Hielt meine Hände zu beiden Seiten des Unterkiefers. Spürte in einem Abstand von fünf bis zehn Zentimetern einen leisen Widerstand. Dachte: „aha, vielleicht gibt es die Aura tatsächlich!“ Hörte: „Hui, da tut sich etwas! Ich spüre einen Schmerz! Ach, das geht ja tatsächlich!“ Die Kollegin war glücklich, wieder etwas zu spüren. Auch wenn es zuerst mal ein Schmerz war. Zum Glück verging dieser relativ schnell.
Nach diesen Ereignissen spürte ich immer deutlicher den "Auftrag", meine Energie zum Helfen und Heilen einzusetzen.
Es war jedes mal ein Geschenk für mich, bei "eingeklemmten Nerven", Schmerzen, auch Entzündungen und vielen anderen Energiefehlfunktionen helfen zu können.
Jahre später erhielt ich die Einweihung in sämtliche Reiki-Grade, was mich persönlich noch viel weiter brachte.
Heute bin ich ein relativ routinierter Handaufleger. Die Wirkungen und Erfolge dieser schönen Kunst erschrecken mich manchmal. Ich überlege oft, ob ich mich in der Tradition von Rasputin, von Franz-Anton Mesmer oder von Dr. Usui sehen sollte. Aber – muß man sich denn unbedingt immer auf eine (scheinbar) höhere Autorität berufen?
Ich nenne meine individuelle Art des Handauflegens MESMERISMUS, zur Erinnerung an die faszinierende Entwicklung des Franz-Anton Mesmer, zu welchem ich immer wieder Parallelen entdecke.

Dienstag, 17. August 2010

FREUND-VERNICHTER? FEIND-VERSÖHNER?

und schon wieder ein Wortbruch!

Zum wiederholten Male habe ich diesen Beitrag angekündigt, zum wiederholten Male habe ich ihn hinausgeschoben. Zuletzt für noch im Verlauf der letzten Woche angekündigt, versprochen – und wieder hinausgeschoben.
Aber:
wie gesagt: der Hypnotiseur wacht schon morgens als Hypnotiseur auf. Beginnt den Tag als Hypnotiseur, lebt als Hypnotiseur............. auf Reisen, in der Kneipe, zu hause, im Park, überall!
  • -und wird dabei oft einfach vom Thema eingeholt -
Gestern morgen traf ich beim Frühstück in einer kleinen Kaffeebar am Potsdamer Platz in Berlin einen Automechaniker. „Von Hypnose halte ich überhaupt nichts, erstens ist das alles Humbug, außerdem geht das bei mir sowieso nicht.......“

Der hat ein Problem, dachte ich und antwortete, ohne mich um seine herausfordernden Blicke zu kümmern: „ok, Du bist nicht in der Stimmung, vielleicht bist Du überhaupt nicht geeignet, jemals Hypnose zu erleben................ obwohl ich es Dir gerne mal unverbindlich zeigen würde......... “

Und schon kam die von mir erwartete Anfrage:
„Kannst Du meine Nachbarin hypnotisieren?“

Das kann ich natürlich nicht, wenn sie überhaupt nicht da ist, aber hier scheint der Mensch sein Problem zu haben..

Also frage ich: „was ist mit ihr?“
„Die hat etwas gegen mich! Sie sagt nichts, aber sie schaut immer so seltsam. Wenn ich ihr auf der Treppe begegne. Sie denkt ganz bestimmt, dass ich ein unmöglicher Mensch bin (das habe ich in vornehme Umgangssprache übersetzt) kannst Du die hypnotisieren?“
Ich weiß nur, dass er sich von der Nachbarin falsch wahrgenommen fühlt. Ich weiß nicht, ob er sie hasst oder heimlich liebt. Ich weiß von der Nachbarin nur, dass sie existiert. Sonst nichts.
Und sage: „Ich kann Dir zeigen, wie Du sie hypnotisieren kannst!“
Ich habe aus einem bekannten (?) „Anmache-Guide“ für Profi-Verführer oder solche, die es gerne werden möchten, die Technik „Freund – Vernichter“ gelernt. Eine Gesprächstechnik, welche der Möchtegern-Abschlepper gegen das Argument seines Opfers „Aber ich hab doch einen Freund!“ einsetzen soll. Ich glaube, dass hier das Werkzeug Hypnose (oder meinetwegen NLP) gründlich missbraucht wird.

Ich setze heute und hier die Technik „Freund – Vernichter“ ganz bewusst als „Feind -Versöhner“ ein:

Szenerie:

Klient (A) hat große Schwierigkeiten mit einem anderen Menschen – in diesem Falle mit der Nachbarin (N).
Coach (B) entschärft mit der folgenden Technik die Schwierigkeit, sorgt für eine gesunde Distanz aus welcher sich die Interaktion zwischen A und N verändern kann. Auf die Richtung dieser Veränderung hat B nur wenig Einfluss.



B: Hast Du Lust, ein kleines Gedankenexperiment zu machen? Wie wäre es, wenn Du Dir vorstellen könntest, die störenden Eigenschaften bei der Nachbarin einfach hinter den Mond zu schießen? Das könnte ganz praktisch sein, also, es könnte Dir helfen, dass Dir diese Eigenschaften einfach nichts mehr ausmachen....

(Und nachdem B sein Einverständnis gegeben hat):
B: ok, stell Dir jetzt mal vor, was Dich am meisten an ihr stört....nee, nicht erzählen, nur vorstellen. OK? (und wenn A nickt oder sonst wie bestätigt):
B: gut, dann stell Dir jetzt mal irgendetwas vor, was nur aus dieser Eigenschaft besteht, wie das wohl aussieht.....
(Und jetzt immer, wenn A bestätigt, dass er eine Vorstellung hat):
B: und stell Dir vor, wie diese Eigenschaft sich anhört, wenn sie sich akustisch äußert......
B: und wie sich diese Eigenschaft anfühlen würde.......
B: und wie sie riecht.......
B: und wie sie schmeckt, wenn Du sie knutschen würdest.........
A: nee, bloß das nicht!

B: macht nix! Jetzt noch mal: wie sieht das aus........ wie hört sich das an....... wie fühlt sich das an...... wie riecht das...... wie schmeckt das......... ok, stell' dir vor, schließe die Augen und stell' Dir vor, wie du das zusammenknüllst...... wie Du das auf Schneeballgröße zusammenknüllst........... stell' es Dir vor, dass Du das kannst....... und nicke mit dem Kopf, wenn Du das zusammengeknüllt hast......
A: nickt

B: Gut, nun nimm ein riesiges Katapult, so eine Superzwille, packe diese Kugel hinein.
A: Geht nicht, die Augen gucken mich so an aus der Kugel!
B: Macht nix, dreh sie rum!
A: ok!
B: Spanne die Zwille jetzt sooooo fest an, wie Du kannst! Dann ZÄHLE BIS DREI! Und bei drei lass los!
A: Halt! Ich hab noch ein Gummi zusätzlich draufgezogen....
B: Ok, EINS! ZWEI! DREI! JETZT!
A: (grinst) Schade, dass Du diesen Heulton nicht hören konntest, mit dem sie bis hinter den Horizont geflogen ist.......

B: los! Noch mal - mach es mal alleine!
A: (schließt die Augen, macht Gesten, als ob er eine Zwille spannt, macht Bewegungen, als ob er zählt, grinst, lässt die Arme sinken, öffnet die Augen) „Jetzt war sie sooo schnell weg, ich weiß gar nicht wohin!“

B: NOCHMAL!!!!
A: Gerne! Immer wieder!

B anschließend: Setz' Dich mal auf den anderen Stuhl dort. Ok, Wenn Du jetzt daran denkst, wie Du der Nachbarin wider begegnest.........
A unterbricht: Das finde ich jetzt irgendwie lustig! Ich habe mir gerade vorgestellt: Wenn die wüsste, was ich mit ihr gemacht habe!
B: gibt es irgendwelche Bedenken, wenn Du jetzt an sie denkst?
A: Nee! Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht laut lache, wenn ich sie sehe.......
B: Besser als Magengeschwüre. Oder?
A: Stimmt!

Heute Abend rief mich mein Freund kurz an: Kann das sein, dass Du mich doch hypnotisiert hast?
Ich: wieso?
Gestern Nachmittag bin ich der Nachbarin wieder begegnet. Ich musste einfach grinsen. Es ging nicht anders. Sie hat ziemlich irritiert drein geschaut. Ich glaube, sie hat an sich herunter geschaut, ob irgend etwas nicht stimmt. Gestern Abend das gleiche. Sie hat zurück gegrinst. Heute bin ich ihr auch schon zwei mal begegnet. Irgendwie sind wir ans Quasseln gekommen. Eigentlich ist sie ganz nett..............

Hypnose?