Dienstag, 11. Oktober 2011

Hamburger Kneipenhypnose

Ich habe in Hamburg am Vorabend einen Themenabend „Blitzhypnose“ bestritten und heute, am Samstag, einen Tagesworkshop „Sicher hypnotisieren“ zu Ende gebracht. 
Es war gut, ich habe einige sehr interessante Leute kennen gelernt, vielleicht auch einige Newcomer für Hypnose interessieren können.
Morgen fahre ich wieder nach Hause.

Jetzt habe ich meine Sachen zum Hotel gebracht. Es liegt weit im Norden von Hamburg. Zentral war keine Unterkunft mehr zu bekommen. Nur im Hostel ein Platz im Acht-Betten-“Dorm“ für EUR 50,-- Hier habe ich für etwas weniger ein recht nettes Zimmer plus Frühstück. Warum die Hamburger Hotels so überbucht und überteuert sind, kann ich nicht erfahren.
Neben dem Hotel ist ein Kiosk, eine kleine Raucherkneipe, mit zugepflastertem Vorgarten. Dort sitze ich bei einem Bier. Auf dem Weg habe ich einen entsetzlich häßlichen „Bullenbeißer“ und seine Besitzerin kennen gelernt. Mit ihr unterhalte ich mich, der Hund unterhält sich mit mir. Er ist sehr freundlich und die Besitzerin versichert mir, dass er nicht weiß, wie furchterregend er aussieht und wie stark er ist.
Ich bestelle noch ein Glas Bier. Ein älterer, sehr korpulenter Mann kommt mir entgegen. Wir grüßen uns und er schaut auf meine angesteckte Visitenkarte: „Du hast ja noch Dein Firmenschild an! Arbeitest Du in dem Krankenhaus da drüben?“
„Nee, guck doch mal richtig hin! Ich habe in Hamburg einen Hypnoseworkshop gemacht, deswegen noch das Schild“
Das stimmt nicht ganz, ich trage das „Firmenschild“ nicht im Workshop, sondern nur in der Öffentlichkeit. Es hat jetzt auch seine Wirkung nicht verfehlt, es hat diesen Mann neugierig gemacht. Die Hundebesitzerin hat es ebenfalls gesehen, aber nur mit einem irritierten Blick reagiert. Ebenso die Kioskwirtin.
„Also, ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass so etwas wie Hypnose irgendwie funktioniert........“
„Hast Du schon mal so etwas gesehen?“
„Ja, im Fernsehen, wenn jemand steif wie ein Brett gemacht wird und dann über zwei Stühle gelegt........“
Aha, er scheint das „Supertalent“ gesehen zu haben......
„Also, das mit „Steifwieeinbrett“, das kann ich Dir gerne mal zeigen, einfach so, ohne Hypnose. Haste Interesse?“ ….. und ohne mich um irgendwelche Bedenken oder etwaige Einwände zu kümmern, fordere ich ihn auf: „Steh ganz gerade, Füße zusammen. So, jetzt fass mal Deine Hosennähte mit beiden Händen ganz, ganz fest.“ Er trinkt nun erst mal einen großen Schluck Bier und schaut mich sinnierend an. Dann fasst er die Hosennähte und drückt die Hände fest zu. Ich trete hinter ihn, mit Ausfallschritt, und bewege ihn ein wenig nach hinten. Er ist tatsächlich steif wie ein Brett. Ich hätte Angst, ihn ganz bis zum Boden zu kippen. Er ist wesentlich schwerer als ich und außerdem geht es lediglich darum, ihm (und auch mir selbst!) Hypnosephänomene zu zeigen. Ob jemand zusieht, ob ein ganzes Auditorium zusieht, oder niemand, das spielt keine wesentliche Rolle.
„Ja, der ganze Körper war steif, weil ich so fest gehalten habe!“ erklärt er mir anschließend.
„Stimmt! Und das geht mit Hypnose einfach nur leichter. Das ist alles!“
„Aha!“ Und mein Freund setzt sich hin und nimmt noch einen großen Schluck Bier.
„Willste mal sehen, wie Dein linker Arm steif und unbeweglich wird?“
„Joah! Aber morgen brauch ich ihn wieder!“

Die Wirtin und die Hundebesitzerin stehen in der Tür und schauen interessiert zu. 

„OK, mach mal Faust, halte die Faust hoch, neben Deinen Kopf. So! Und jetzt immer stärker, immer kräftiger die Faust! Bis Du sie nicht mehr selbst bewegen kannst! Ist das schon Hypnose? Weiß ich nicht..... mach die Faust immer fester, immer fester. Wenn ich sie jetzt gleich anfasse und nach unten drücke und sage dazu „Schlaf“ oder ich berühre Deine Schulter, hier, so, und sage dazu „Schlaf“ oder ich sehe Dich ganz starr an, so, und sage dazu „Schlaf“, dann bist Du sofort in Hypnose! OK?“
Und im nächsten Moment sehe ich ihn starr an, berühre gleichzeitig eine seiner Schultern, drücke seine geballte Faust nach unten und kommandiere „Schlaf!“

Er schaut mich verwundert an, spricht kein Wort. Sein Blick geht ins Leere.
„Und wenn ich jetzt Deine Hand nehme und nach oben führe.....“ und dabei nehme ich die Hand, führe sie etwas über Schulterhöhe, lockere meinen Griff ganz vorsichtig. Ich bemerke, dass die Hand in der Stellung verharrt und spreche weiter....“dann bleibt sie, dann bleibt der Arm in der Stellung, in welche ich ihn gebracht habe. Tu einfach so, als ob der Arm nicht zu Dir, sondern zu mir gehört. Während der Arm jetzt ganz, ganz fest wird, so wie ein Eisenpfahl in der Gegend steht, streiche ich drei mal ohne zu berühren von der Hand bis hin zur Schulter.“ und ich beginne mit den Streichungen.
Verwundert und skeptisch schaut mich mein Freund an. „Komisch! Der Arm geht überhaupt nicht zu bewegen!“ 
„Und wenn Du es ganz doll versuchst?“
„Nee, geht nicht“ kommt eine etwas verlangsamt klingende Antwort.
Jetzt ist der Blick aber nur noch das personifizierte Staunen.

Die Hundebesitzerin verabschiedet sich hektisch und verschwindet in der Dunkelheit. Die Wirtin schaut demonstrativ über uns hinweg ins Nichts.
„Gut, während Dein Arm wieder ganz locker und entspannt nach unten sinkt, streiche ich drei mal ohne zu berühren anders herum drüber. Von der Schulter bis zur Hand!“ Der Arm sinkt nun langsam nach unten, ich führe ihn in die Ausgangsposition zurück. Er ist jetzt extrem locker.
„Aber, das geht doch nur, wenn man daran glaubt!“ meint mein Freund.
„Kann schon sein!“ Mehr weiß ich dazu nicht zu sagen.

Irgendwann verabschieden wir uns fröhlich voneinander.


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