Ich habe in Hamburg am Vorabend einen
Themenabend „Blitzhypnose“ bestritten und heute, am Samstag, einen
Tagesworkshop „Sicher hypnotisieren“ zu Ende gebracht.
Es war
gut, ich habe einige sehr interessante Leute kennen gelernt,
vielleicht auch einige Newcomer für Hypnose interessieren können.
Morgen fahre ich wieder nach Hause.
Jetzt habe ich meine Sachen zum Hotel
gebracht. Es liegt weit im Norden von Hamburg. Zentral war keine
Unterkunft mehr zu bekommen. Nur im Hostel ein Platz im
Acht-Betten-“Dorm“ für EUR 50,-- Hier habe ich für etwas
weniger ein recht nettes Zimmer plus Frühstück. Warum die Hamburger
Hotels so überbucht und überteuert sind, kann ich nicht erfahren.
Neben dem Hotel ist ein Kiosk,
eine kleine Raucherkneipe, mit zugepflastertem Vorgarten. Dort sitze
ich bei einem Bier. Auf dem Weg habe ich einen entsetzlich häßlichen
„Bullenbeißer“ und seine Besitzerin kennen gelernt. Mit ihr
unterhalte ich mich, der Hund unterhält sich mit mir. Er ist sehr
freundlich und die Besitzerin versichert mir, dass er nicht weiß,
wie furchterregend er aussieht und wie stark er ist.
Ich bestelle noch ein Glas Bier. Ein
älterer, sehr korpulenter Mann kommt mir entgegen. Wir grüßen uns
und er schaut auf meine angesteckte Visitenkarte: „Du hast ja noch
Dein Firmenschild an! Arbeitest Du in dem Krankenhaus da drüben?“
„Nee, guck doch mal richtig hin! Ich habe in Hamburg einen Hypnoseworkshop gemacht, deswegen noch das Schild“
„Nee, guck doch mal richtig hin! Ich habe in Hamburg einen Hypnoseworkshop gemacht, deswegen noch das Schild“
Das stimmt nicht ganz, ich trage das
„Firmenschild“ nicht im Workshop, sondern nur in der
Öffentlichkeit. Es hat jetzt auch seine Wirkung nicht verfehlt, es
hat diesen Mann neugierig gemacht. Die Hundebesitzerin hat es
ebenfalls gesehen, aber nur mit einem irritierten Blick reagiert.
Ebenso die Kioskwirtin.
„Also, ich kann mir überhaupt nicht
vorstellen, dass so etwas wie Hypnose irgendwie funktioniert........“
„Hast Du schon mal so etwas gesehen?“
„Ja, im Fernsehen, wenn jemand steif
wie ein Brett gemacht wird und dann über zwei Stühle
gelegt........“
Aha, er scheint das „Supertalent“
gesehen zu haben......
„Also, das mit „Steifwieeinbrett“,
das kann ich Dir gerne mal zeigen, einfach so, ohne Hypnose. Haste
Interesse?“ ….. und ohne mich um irgendwelche Bedenken oder
etwaige Einwände zu kümmern, fordere ich ihn auf: „Steh ganz
gerade, Füße zusammen. So, jetzt fass mal Deine Hosennähte mit
beiden Händen ganz, ganz fest.“ Er trinkt nun erst mal einen
großen Schluck Bier und schaut mich sinnierend an. Dann fasst er die
Hosennähte und drückt die Hände fest zu. Ich trete hinter ihn, mit
Ausfallschritt, und bewege ihn ein wenig nach hinten. Er ist
tatsächlich steif wie ein Brett. Ich hätte Angst, ihn ganz bis zum
Boden zu kippen. Er ist wesentlich schwerer als ich und außerdem
geht es lediglich darum, ihm (und auch mir selbst!) Hypnosephänomene
zu zeigen. Ob jemand zusieht, ob ein ganzes Auditorium zusieht, oder
niemand, das spielt keine wesentliche Rolle.
„Ja, der ganze Körper war steif,
weil ich so fest gehalten habe!“ erklärt er mir anschließend.
„Stimmt! Und das geht mit Hypnose
einfach nur leichter. Das ist alles!“
„Aha!“ Und mein Freund setzt sich
hin und nimmt noch einen großen Schluck Bier.
„Willste mal sehen, wie Dein linker
Arm steif und unbeweglich wird?“
„Joah! Aber morgen brauch ich ihn
wieder!“
Die Wirtin und die Hundebesitzerin
stehen in der Tür und schauen interessiert zu.
„OK, mach mal Faust, halte die Faust
hoch, neben Deinen Kopf. So! Und jetzt immer stärker, immer
kräftiger die Faust! Bis Du sie nicht mehr selbst bewegen kannst!
Ist das schon Hypnose? Weiß ich nicht..... mach die Faust immer
fester, immer fester. Wenn ich sie jetzt gleich anfasse und nach
unten drücke und sage dazu „Schlaf“ oder ich berühre Deine
Schulter, hier, so, und sage dazu „Schlaf“ oder ich sehe Dich
ganz starr an, so, und sage dazu „Schlaf“, dann bist Du sofort in
Hypnose! OK?“
Und im nächsten Moment sehe ich ihn
starr an, berühre gleichzeitig eine seiner Schultern, drücke seine
geballte Faust nach unten und kommandiere „Schlaf!“
Er schaut mich verwundert an, spricht
kein Wort. Sein Blick geht ins Leere.
„Und wenn ich jetzt Deine Hand nehme
und nach oben führe.....“ und dabei nehme ich die Hand, führe sie
etwas über Schulterhöhe, lockere meinen Griff ganz vorsichtig. Ich
bemerke, dass die Hand in der Stellung verharrt und spreche
weiter....“dann bleibt sie, dann bleibt der Arm in der
Stellung, in welche ich ihn gebracht habe. Tu einfach so, als ob der
Arm nicht zu Dir, sondern zu mir gehört. Während der Arm jetzt
ganz, ganz fest wird, so wie ein Eisenpfahl in der Gegend steht,
streiche ich drei mal ohne zu berühren von der Hand bis hin zur
Schulter.“ und ich beginne mit den Streichungen.
Verwundert und skeptisch schaut mich
mein Freund an. „Komisch! Der Arm geht überhaupt nicht zu
bewegen!“
„Und wenn Du es ganz doll versuchst?“
„Nee, geht nicht“ kommt eine etwas
verlangsamt klingende Antwort.
Jetzt ist der Blick aber nur noch das
personifizierte Staunen.
Die Hundebesitzerin verabschiedet sich
hektisch und verschwindet in der Dunkelheit. Die Wirtin schaut
demonstrativ über uns hinweg ins Nichts.
„Gut, während Dein Arm wieder ganz
locker und entspannt nach unten sinkt, streiche ich drei mal ohne zu
berühren anders herum drüber. Von der Schulter bis zur Hand!“ Der
Arm sinkt nun langsam nach unten, ich führe ihn in die
Ausgangsposition zurück. Er ist jetzt extrem locker.
„Aber, das geht doch nur, wenn man
daran glaubt!“ meint mein Freund.
„Kann schon sein!“ Mehr weiß ich
dazu nicht zu sagen.
Irgendwann verabschieden wir uns
fröhlich voneinander.
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