Mittwoch, 2. November 2011

My Friend John

Besonders einprägsam und gut sollen die "My Friend John"-Geschichten sein.
"My Friend John" ist jemand, den ich meine Geschichte erzählen lasse, den ich erzählen lasse, was mir passiert ist. Oder jemand beliebig anderem. Und ich erzähle John's Geschichte. Also eine Geschichte in der Geschichte. Eine Geschichte in der Geschichte, die ich über meinen Freund "John" schreibe. Wenn das ein wenig irritiert oder gar verwirrt, so ist dies durchaus beabsichtigt. Es ist auch unklar, ob dieser Freund John nicht einen ganz anderen Namen hat.

Manchmal treffe ich ihn in einem Münchener Café. Oder auch in Frankfurt/Main (oder Oder!). Ganz plötzlich sitzt er mir gegenüber.
"Stell Dir vor, was mir neulich passiert ist:
Ich hypnotisiere einen gepflegten, älteren Herrn, circa Mitte siebzig. Er raucht seit einigen Jahren wieder. Er hat sich das Rauchen schon mal vor mehr als dreißig Jahren abgewöhnt. Mit Hypnose. Er erzählt ein wenig über diese Hypnose. Damals scheint er sich gut darauf eingelassen zu haben. Ach so, er will mit meiner Hilfe das Rauchen ein zweites mal los werden. Er findet es "bescheuert!"

Und jetzt fangen wir einfach an. Die Einleitung funktioniert problemlos. Innerhalb von Sekunden. Die Vertiefung: Zählen von eins bis fünf. Ich betone beim Zählen die Ausatmung von Herrn M., passe mich seiner Atemfrequenz an. Und er passt auch seine Atemfrequenz meinem Zähl-Singsang an. 
Ich teste, indem ich seine rechte Hand anhebe. Sie fühlt sich sehr schlaff an. Ich erzähle, dass sich der Hypnosezustand vervielfachen wird, mindestens fünf mal so tief, wenn ich die Hand loslasse und sie "Platsch" auf die Unterlage zurückfallen wird. Ich lasse los, die Hand fällt leicht verzögert zurück. So, als ob sie zunächst in der Luft stehen bleiben wolle. Ich nutze diese Beobachtung aus, nehme die Hand wieder, halte sie und hebe den Arm ein Stück nach oben. "Manchmal bleibt der Arm einfach so in der Luft stehen, dort, wo ich ihn hin führe......" tatsächlich, der Arm bleibt genau so stehen, als ich meine Hand wegnehme. Jetzt zeige ich Herrn M., wie er sich noch mehr entspannt, während sein schwebender Arm in die Ausgangsstellung zurück sinkt. 
Zur nochmaligen Vertiefung - und vielleicht auch schon zur Nutzung der Trance - lenke ich seine Aufmerksamkeit auf die Sinne: Sehen, Hören, Fühlen, Riechen, Schmecken. Dabei betone ich immer wieder, wie sich all dies schon verbessert hat durch den Entschluss, das Rauchen zu beenden. 
Jetzt bitte ich das Unterbewusstsein von Herrn M, mir Fingerzeichen zu geben. Seine Finger bewegen sich zur Bestätigung auf eigentümliche Weise, "ruckelnd", wie es kaum jemand bewusst hinbekommt. 
Ich bitte das Unterbewusstsein von Herrn M., ihn zu einem Datum in der Zukunft zu führen, in einigen Wochen, Monaten oder Jahren, ihm zu zeigen, um wieviel sich das Sehen, das Hören, das Fühlen, das Riechen und das Schmecken gebessert hat, um wie viel sich die Lebensqualität gebessert hat. Ich bitte sein Unterbewusstsein, ihm zu zeigen, wie einfach es war, sich das Rauchen abzugewöhnen, wie einfach es war, den Versuchungen und Hindernissen dabei zu widerstehen. 
Jetzt zeigt Herr M. einen merkwürdigen Gesichtsausdruck: "gequält" fällt mir dazu ein. Seine Finger bewegen sich immer schneller, als wollten sie etwas mitteilen. 

Plötzlich schlägt Herr M. die Augen auf, richtet sich auf, lächelt und spricht: "Mir geht es richtig gut! Mir geht es sooooo was von gut! Ich fühle mich, als hätte ich noch nie geraucht! Es ist weg! Aber: warum sollte ich denn zu einem Datum in der Zukunft gehen? Was hat das zu bedeuten?"


Ich antworte: "Das mit dem Datum soll Ihnen helfen, Ihren Erfolg zu sichern!"  "Ach so!" stellt Herr M. fest, schaut mich freundlich an. "Lassen Sie Sich von Ihrem Unterbewusstsein zu einem schönen Ort bringen, zu einem Ort, der Ihnen gefällt, wo Sie tun und lassen können, was Ihnen gefällt.............." schlage ich vor. Herr M. macht es sich bequem, schließt die Augen, geht wieder in Trance. 
Ich beende dann nach einer Weile die Hypnose mit mehrmaligen Rücknahmesuggestionen, nachdem ich vorher noch einige male betont habe, dass es nun wirklich so sei, als ob er schon immer Nichtraucher gewesen wäre. 
Und Herr M. betont im Nachgespräch das gleiche. 

"Und, ist er denn jetzt ein Nichtraucher?" frage ich meinen Freund John
"Hmm, er hat es jedenfalls behauptet. Er war richtig euphorisch, als er ging, hat betont, dass er schon jetzt viel besser Luft bekommt beim Atmen, Ich hoffe nur, dass diese imaginierte Erinnerung an die Leichtigkeit, mit Hindernissen und Rückfallgefahr umzugehen, ihm nützt!"
"Das sollte sie, denn er hat sich bewusst nach der Bedeutung erkundigt, hat sich aber auch ohne weiteres darauf eingelassen. War das eigentlich sehr irritierend für Dich, dass Herr M. scheinbar plötzlich aus der Hypnose ja, sozusagen aufgetaucht ist?"
"Ja, es hat mich schon ein wenig irritiert. Passiert Dir das auch gelegentlich?"

"Vor vielen Jahren, bei meiner ersten therapeutischen Hypnose, habe ich etwas vergleichbares erlebt: ich hatte dem Klienten zur Hypnoseeinleitung ein Farbtäfelchen vor die Augen gehalten, ihn aufgefordert, dieses anzusehen, hatte "prophezeit", dass die Farben gleich begännen, zu verschwimmen. Der Klient hatte sich aufgerichtet, mich angesehen, und gesagt: "Ja, das stimmt!". Dann hatte er sich wieder hingelegt, die Augen geschlossen und war in Trance gegangen. Die weitere Sitzung verlief sehr erfreulich. Und: irgendwie war dieser Klient auch in der Lage, den anfänglichen Erfolg selbständig, sozusagen "autogen" zu konsolidieren. Er erzählte mir später, wie er gelegentlich sich hinzulegen pflegte, sich vorstellte, was ich wohl wie sagen würde, und das habe ihm immer weiter geholfen."


"Bei Herrn M. bin ich auch überzeugt, dass er es schafft mit dem Rauchen aufgeben. Ich weiss nicht, wie das kommt, ich habe ihn bei seinem Eintritt schon als Nichtraucher wahrgenommen. Er hat sich dann auch die ganze Zeit als Nichtraucher gesehen........."

"John, Du hast mir etwas erzählt, was mir merkwürdig bekannt vorkommt. Manchmal frage ich mich, wer Du wirklich bist!"
"Schau ganz konzentriert in Deinen Kaffeelöffel...... "
Als ich wieder aufschaue, ist John verschwunden. Die Kaffeerechnung hat er mir überlassen.....







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